Geschlechtsbezogene Belästigung

Geschlechtsbezogene Belästigung ist ein Verhalten oder eine Tätigkeit, die man als unwillkommen empfindet und womit die Würde des Menschen aufgrund seines Geschlechts angetastet wird. Geschlechtsbezogene Belästigung schafft eine beunruhigende, bedrohende, feindselige, verachtende, demütigende oder beleidigende Atmosphäre.

Solche Belästigung beruht auf vorurteilshaften Verallgemeinerungen hinsichtlich des anderen Geschlechts, die einen verächtlichen Unterton haben. Geschlechtsbezogene Belästigung hat keinen sexuellen Unterton. Wenn die Belästigung sexuellen Charakter hat, handelt es sich um sexuelle Belästigung.

Um geschlechtsbezogene Belästigung kann es sich handeln, wenn eine Arbeitgeberin / ein Arbeitgeber oder eine Kollegin / ein Kollege, eine Kundin / ein Kunde oder eine Kooperationspartnerin / ein Kooperationspartner auf stereotypen Vorurteilen beruhende Anmerkungen zu den Frauen oder Männern oder zu einem konkreten weiblichen oder männlichen Mitarbeiter machen.

Der Begriff der geschlechtsbezogenen Belästigung ist festgehalten im § 3 Absatz 1 Punkt 6 des Gleichstellungsgesetzes.

Beispiele für geschlechtsbezogene Belästigung
Was soll man tun, wenn man einer Belästigung ausgesetzt worden ist?
Beweisführung
Die Stellungnahme der Beauftragten

Beispiele für geschlechtsbezogene Belästigung

  • Der Chef verhöhnt vor dem Arbeitskollektiv die dort arbeitenden Frauen und behauptet, dass diese aufgrund ihres Geschlechts inkompetent seien oder dass man von ihnen kein logisches Denken erwarten könne.
  • Die Arbeitgeberin / der Arbeitgeber oder eine Kollegin / ein Kollege behauptet, dass die Männer keine Bereitschaft und Fähigkeit haben, sich in die Einstellungen anderer Menschen einzufühlen.
  • Die Arbeitgeberin / der Arbeitgeber verteilt die Arbeitsaufträge ausgehend von Stereotypen: Mit Kaffeezubereitung und Aufräumungsarbeiten werden weibliche Mitarbeiter beauftragt; dagegen werden technische Kenntnisse und Fertigkeiten von allen männlichen Mitarbeitern erwartet.
  • In der Schule demütigt eine Lehrerin / ein Lehrer die Mädchen mit Bemerkungen dazu, dass sie in intellektueller Hinsicht minderwertig seien.
  • In der Schule werden den pubertierenden Jungen demütigende Anmerkungen im Hinblick auf ihren Wuchs, ihr Körpergewicht, ihre Befangenheit, die Akne o. Ä. gemacht.

In aller Regel wird das Verhalten belästigend, wenn es sich wiederholt, doch kann ein belästigendes Verhalten auch nur ein Mal vorkommen.

Was soll man tun, wenn man einer Belästigung ausgesetzt worden ist?

Das Opfer einer Belästigung hat eine Reihe von Möglichkeiten, Hilfe zu bekommen. Wenn jemand einer Belästigung ausgesetzt worden ist, kann sie/er die Gleichstellungsbeauftragte ansprechen, die berechtigt ist, alle Beteiligten um Auskunft zu ersuchen, und eine rechtliche Stellungnahme abgeben kann.

Beweisführung

In den Fällen der Belästigung erweist sich als problematisch die Beweisführung. Nur die Aussagen des Opfers brauchen nicht auszureichen. Daher ist es wichtig, dass das Opfer das Datum und die Uhrzeit des Vorfalls datiert. Wenn der Vorfall von den Zeugen miterlebt wurde, so sollte man auch dies auf alle Fälle aufzeichnen, denn im Falle solcher Situationen kann eben den Zeugenaussagen großes Gewicht zukommen. Außerdem ist es sehr wichtig, die Briefe, Karten, E-Mails, SMS-Nachrichten u. Ä., die vom Belästiger geschickt wurden, aufzubewahren. Wenn der Belästiger zur Kontaktaufnahme das Telefon benutzt hat, so ist es möglich, sich beglaubigte detaillierte Listen der eingehenden Anrufe zu besorgen, die von der erfolgten Belästigung Zeugnis ablegen.

Da sich sowohl eine kurz- wie auch langzeitige Belästigung nachteilig auf die Gesundheit des Belästigungsopfers auswirken kann und es einer ärztlichen oder psychologischen Hilfe bedürfen kann, ist es wichtig, alle Unterlagen zum Nachweis der Kosten in Verbindung mit Gesundheitsschäden, die wegen der Belästigung entstanden sind (Krankmeldungen, Rechnungen für Arzneien und eine medizinische Behandlung, Transportkosten in Verbindung mit dem Arztbesuch) einzusammeln.

Auch kann dem Opfer Schaden wegen des unfreiwilligen Wohnsitzwechsels oder deswegen, dass es wegen des Verhaltens seiner Chefin / seines Chefs nicht an Schulungen teilnehmen konnte, nicht auf Dienstreisen geschickt und befördert wurde o. Ä., entstanden sein. Zusätzliche Informationen und Unterlagen erleichtern die Feststellung einer Belästigung und tragen zur Festlegung bei, in welchen Umfang die Rechte verletzt worden sind.

Außer der Feststellung einer Belästigung ist die Einsammlung der Beweise wichtig auch in dem Fall, wenn das Opfer in seiner Angelegenheit die Kommission für Arbeitsstreitigkeiten oder das Gericht anrufen will, um Anspruch auf Erstattung des entstandenen finanziellen oder moralischen Schadens geltend zu machen.

Die Stellungnahme der Beauftragten

Auch wenn die Stellungnahme der Gleichstellungsbeauftragten nicht rechtlich bindend ist, bedeutet dies nicht, dass die Stellungnahme der Gleichstellungsbeauftragten des Einflusses entbehrt. Die Stellungnahme der Gleichstellungsbeauftragten dazu, ob eine Diskriminierung erfolgt ist oder nicht, hilft der/dem Geschädigten wegen einer Diskriminierung bei der weiteren Wahrnehmung ihrer/seiner Rechte und dient als Anweisung für andere Rechtsschutzorgane. Somit gewährt die Stellungnahme der Gleichstellungsbeauftragten der/dem Geschädigten größere Klarheit und Sicherheit, ob ihr/sein Diskriminierungsverdacht begründet ist und ob man ausreichend Grund hat, sich an andere Institutionen zu wenden.

Wenn die Beauftragte ihre Stellungnahme abgegeben hat und zum Ergebnis gekommen ist, dass die Diskriminierung festgestellt ist, kann sich das Belästigungsopfer bei Wunsch an eine Behörde wenden, die mit Diskriminierungsstreitigkeiten befasst wird. Für die Lösung von Diskriminierungsstreitigkeiten ist das Gericht, die Kommission für Arbeitsstreitigkeiten und im Wege eines Schlichtungsverfahrens der Justizkanzler zuständig. In der Kommission für Arbeitsstreitigkeiten werden die Diskriminierungsstreitigkeiten nur in dem Fall gelöst, wenn die Belästigung im Arbeitsverhältnis stattfindet.